Ausstellung mit 22 Künstlerinnen und Künstlern aus fünf europäischen Ländern – „das ungewöhnliche Kunstprojekt in Europa“ feiert sein zehnjähriges Bestehen!

Großereignisse der Kunstwelt umgeben uns, sei es die Biennale Venedig, neuerdings die Quadrinale in Düsseldorf, die bevor­stehende documenta 12 oder auch die Kunstmesse Basel, die Messe der Superlative. Aber bedenken Sie: „Der Rahm von heute ist der Käse von morgen!“

Also wenden wir uns unserem Kontrastprogramm zu, wenden wir uns der DEMUT zu! Das Thema der diesjährigen Ausstellung unseres Kunstprojekts „Lo Spirito del Lago“ stellt ein höchst ungewöhnliches dar, entspricht nun wirklich nicht dem allerorts zu beobachtenden mainstream. Das lässt aufhorchen. Und vor allem: Dieses Thema steht in einem sehr direkten Bezug zur Insel Isola Bella – „humilitas“ steht im Wappen des Fürstengeschlechts der Borromäer, es ist sozusagen ihr Leitspruch.

Doch was heißt überhaupt „humilitas / Demut“? Die etymologische Herleitung in den entsprechenden Nachschlagewerken nennt uns die „Gesinnung eines Dienenden“, andere Übersetzungsmöglichkeiten lauten „Barmherzigkeit“ oder „Mitleid“.

Aber Vorsicht! „Es gibt auch eine Demut zur Größe!“, meint der sehr bekannte und überaus erfolgreiche Psychotherapeut Bert Hellinger, der vielleicht sich selbst damit meint, denn: „Demut ist die letzte Raffinesse der Eitelkeit“, oder, um es mit Arthur Schnitzler zu sagen: „Hüte Dich vor den Bescheidenen; Du ahnst nicht, mit welchem gerührtem Stolz sie ihre Schwächen hegen!“

Das Thema „Demut“ changiert zwischen „Demut“ und „Hochmut“, es enthält genug Widersprüchliches, genügend Spannung, Tiefen und Untiefen – den Stoff eben, aus dem sich Kunst machen lässt. Eben dies haben in diesem Jahr 22 Künstlerinnen und Künstler aus fünf Ländern Europas wieder getan. Es sind so viele in diesem Jahr, weil das zehnjährige Bestehen dieses „ungewöhnlichen Kunstprojekts in Europa“ gefeiert wird:

  • Aus Italien kommen Enrica Borghi, Francesco Garbelli, Ferdinando Greco, Ale Guzzetti, Ruggero Maggi, Franco Rasma, Andrea Ruffoni, Cinzia Ruggeri, Frederico Simonelli, Valerio Tedeschi und Giampiero Zanzi;
  • aus Deutschland kommen Harald Fuchs, Peter Gilles, Birgit Kahle, Achim Mohné, Peter Pick, Barbara Räderscheidt und Ulf Rungenhagen;
  • aus der Schweiz kommt Daniel Spoerri;
  • aus Spanien kommt Enrique Asensi;
  • aus Griechenland kommt Apostolos Palavrakis;
  • aus den Niederlanden kommt Carolein Smit.

Unser Dank gilt den drei Künstlern, die vor zehn Jahren das Projekt aus der Taufe gehoben und bis heute zum Erfolg geführt haben: Birgit Kahle, Peter Gilles und Giampiero Zanzi. Ohne ihren Glauben an sich selbst und an die Möglichkeiten einer Realisation einer guten Idee an einem faszinierenden Ort hätte das Projekt nicht den Erfolgskurs nehmen können, den es inzwischen – für alle sichtbar – eingeschlagen hat: In den vergangenen Jahren erschienen Reportagen in 3SAT-Kulturzeit und in ARTE, gegenwärtig wird eine halbstündige Film-Reportage über die zehn Jahre des Projekts vorbereitet. Eine Dokumentation erfolgte in zwei Katalogen (2000 und 2004), ein dritter Katalog mit einem ausführlichen Rückblick erscheint 2007.

Tischdekoration Daniel Spoerri
Ein ganz besonderer Dank geht in diesem Jahr an Daniel Spoerri, den vielfältigen Künstler, der u.a. auch als Erfinder der „eat-art“ gilt. Er hat geholfen, die Eröffnungs­veranstaltung samt Tisch­dekoration als künstlerisches Ereignis zu gestalten. Wenn anlässlich der dort zur Eröffnung am 1.7.2006 servierten Köstlichkeiten von Demut gesprochen werden soll, dann allerdings wohl von einer „Demut für Fortgeschrittene“.

Zu diesem Thema ein letztes Bonmot. Es soll weder Goethe noch ein anderer großer Dichter und Denker, sondern ein Politiker zitiert werden, nämlich Winston Churchill. Auch ihm ist die Demut nicht fern, wenn auch eher in Form deren Kehrseite, des Hochmuts: „Wir sind alle Würmer, nur glaube ich, dass ich ein Glühwürmchen bin.“

Dr. Hartmut Kraft, Köln
1. Vorsitzender „Lo Spirito del Lago e.V.“