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Geboren 1958 in Kabul. Studium der Chemie in Padua, anschließend Architekturstudium in Venedig. In seinen Objekten und Installationen mischen sich aggressive und sexuelle Themen. Lehrt als Gastprofessor an der Derby University (England) und an der Brera Akademie in Mailand. Lebt in Marostica und Mailand (Italien) sowie in Amsterdam.

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Ein fast leergeräumtes Hotelzimmer, lediglich ein Stuhl und ein Kleiderständer stehen herum. Darauf hängen Kleidungsstücke, deren Rückenteile bemalt sind. Hat hier ein Rocker seine Lederkluft ausgezogen, um sich draußen am Lago Maggiore zu sonnen? Haben die aufgemalten Frauen in aufreizenden sexuellen Posen die gleiche Funktion wie die Embleme auf der Kleidung von Rockern und Motorrad-Gangs?

Diese Sichtweise erscheint als vorschnelle Festlegung. Die Frauen haben eigentümliche grüne Penisse mit Hoden in der Hand, nutzen sie aber nicht zur Selbstbefriedigung, sondern halten sich diese Gebilde vor ihr eigenes Genitale. Wollen diese Frauen auf ihre Unabhängigkeit von den Männern hinweisen – oder handelt es sich gar um Penistransplantate, die aus Frauen androgyne Wesen machen könnten? Das Androgyne als das Vollständige, das keine Vereinigung mit einem gegengeschlechtlichen Partner mehr bedarf? Hat also gar nicht ein Rocker bzw. der Künstler selbst seine Lederkleidung ausgezogen, sondern der Heilige selbst dies getan? Aber warum befinden sich die Bilder auf bzw. in seinem Rücken, dort, wo wir das Verdrängte und Verleugnete, das für den Betreffenden also nicht Sichtbare vermuten können? Handelt es sich vielleicht doch um eine Darstellung verleugneter Sexualität, sogar einer bisexuellen Orientierung, die jederzeit als Versuchung über den Heiligen herfallen könnte? Eine unentscheidbare Situation.