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Geboren 1957 in Köln. 1981–1984 Studium der Fotokunst, FH Köln. 1985 Chargesheimer-Preis der Stadt Köln. 1996 Mitbegründerin des deutsch-italienischen Kunstprojekts Lo Spirito del Lago. Lebt in Köln und Stresa (VB), Italien.

www.birgitkahle.eu

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Birgit Kahle hat einen Flur mit drei Vorhängen abgedunkelt und unterteilt. Tritt der Betrachter durch den ersten Vorhang, wird er von der Diaprojektion eines stehenden nackten Mannes empfangen. Die männliche Figur erscheint gequält und so in sich verdreht, als müsse sie Angriffe abwehren.

Dass es so ist, zeigt uns die Künstlerin, wenn wir einen Vorhang, in den kleine Glocken eingenäht sind, durchschritten haben. Sie nutzt hierbei eine aus der Geschichte bekannte Funktion der Glocke, nämlich die Warnung vor der Annäherung des Bösen bzw. der Versuchung.

Tatsächlich werden wir von dem aufgesperrten Rachen eines Untiers (oder einer Vagina dentata ?!) empfangen, bevor wir nach der nächsten Ecke des Flures einem Pfau gegenüberstehen, der sein Rad vor dem nackten Unterkörper einer Frau schlägt.

Ihren besonderen Reiz erhält diese Installation durch den konsequenten Bezug auf das Hier und Jetzt des Projekts „Lo Spirito del Lago“: der Pfau, der auf den Körper der Künstlerin projiziert ist, stolziert durch den unmittelbar angrenzenden Barockgarten des Schlosses auf der Isola Bella. Bei geöffneten Fenstern können wir seine Lockrufe hören: Die Versuchung findet hier und jetzt statt!