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Geboren 1953 in Tradate (VA), Italien. Studium an der Akademie der Schönen Künste Brera, Mailand. Parallel Studien zu elektronischer und Computer-Musik. Seit 1983 Arbeit an Skulpturen, die Klänge erzeugen. Lebt in Saronno (VA) und Legnano (MI), Italien.

www.aleguzzetti.it

Zeitgemäßere Monster als die von Ale Guzzetti sind schwerlich vorstellbar. Vorgeformte Kunststoffteile, Kunstpelz, Blinklämpchen und eine zirpende, raunende und von Sprachfetzen überlagerte Geräuschkulisse erfüllen den Raum. Es ist ein aus den Fugen geratenes Design, das uns hier entgegentritt und das vom Künstler mit für uns unentzifferbaren Schrifttafeln konfrontiert wird.

Eine Orientierung in diesem alle Wände, aber auch Boden und Decke überziehenden, sowohl Augen, Ohren wie auch Nase forderndem Ambiente fällt dem Betrachter schwer. Erst wenn wir das Plastikschwein als Begleittier des (Plastik?-)Heiligen entdecken, den Weihrauch riechen und im Waschbecken und an den Wänden die übergroßen Spermien entdecken, legt sich die Verwirrung, klärt sich das Thema.

Wenn nun der Künstler davon berichtet, dass wir an den Wänden Rezepturen für uralte Potenzmittel lesen können – so wir denn könnten – befinden wir uns unversehens in dem Spannungsfeld zwischen kirchlichen Sexualtabus, alten Rezepturen und neuen Formen sexuellen Ausdrucks und sexueller Wünsche. Ale Guzzetti hat das wohl älteste Versuchungsthema in einer große Zeiträume umkreisenden, zeitgemäßen Form gestaltet.